NRW-Lockerung an Karfreitag: Bibel-Parodie wird zum Symbol für Säkularisierungsdebatte

03.04.2026


Der Karfreitag gilt in Deutschland als sogenannter stiller Feiertag – doch still ist vor allem die Leinwand. Öffentliche Filmvorführungen stehen an diesem Tag unter besonderen Auflagen, viele Titel sind ohne spezielle Feiertagsfreigabe tabu. Die Regelungen variieren je nach Bundesland, das Grundprinzip ist jedoch ähnlich: Der staatliche Schutz des christlichen Trauer- und Gedenktags schränkt das reguläre Freizeitangebot spürbar ein. Daran entzündet sich seit Jahren Kritik von Verbänden, die eine striktere Trennung von Staat und Kirche fordern.

In Nordrhein-Westfalen hat der Düsseldorfer Aufklärungsdienst diese Auseinandersetzung nun erneut zugespitzt. Der Verein setzte in Düsseldorf per Ausnahmegenehmigung des zuständigen Regierungspräsidenten die Vorführung der Monty-Python-Satire „Das Leben des Brian“ an Karfreitag durch. Der 1979 erschienene Film, der die Zeit Jesu humorvoll aufs Korn nimmt, hat sich zum Symbol im Kampf gegen das Feiertagsrecht entwickelt. Für Vereinsvertreterin Ricarda Hinz ist die Vorstellung weniger Provokation als politisches Statement. In einer Stadt, in der nach Angaben des Vereins die Mehrheit der Bevölkerung keiner christlichen Kirche mehr angehört, sei ein Aufführungsverbot „weder zeitgemäß noch akzeptabel“.

Hinz und Gleichgesinnte sehen in den Verboten einen Eingriff in die individuelle Freizeitgestaltung und eine einseitige Bevorzugung religiöser Normen. Das Zeigen einer Satire am Karfreitag stelle keine Störung der Religionsausübung dar, argumentiert sie. Ihr Leitmotiv bringt Hinz in einem Satz auf den Punkt: „Ich lass dich beten, lass du mich lachen.“ Damit zielt die Initiative weniger auf einzelne Gläubige als auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die sich trotz gesellschaftlicher Veränderungen seit Jahrzehnten nur punktuell verändert haben.

Kirchliche Stimmen halten dagegen. Der Münchner katholische Pfarrer Rainer Maria Schießler betont die besondere Bedeutung der Kar- und Ostertage für seine Kirche. Er plädiert ebenfalls für gegenseitige Rücksichtnahme, interpretiert diese jedoch anders: Einschränkungen an stillen Feiertagen seien angemessen, weil sie Raum für Besinnung schaffen könnten – auch für Menschen ohne feste Kirchenbindung. Aus seiner Sicht können Tage der Ruhe ein verbindendes Element in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft sein, während „Gewaltfilme oder unpassende Veranstaltungen“ an solchen Terminen nicht in die Zeit passten.

Zwischen diesen Positionen verläuft eine Konfliktlinie, die weit über einen einzelnen Kultfilm hinausreicht. Auf der einen Seite steht der Anspruch religiöser Gemeinschaften auf gesetzlichen Schutz ihrer Feiertage, auf der anderen das Interesse einer säkularer werdenden Bevölkerung an freien, weltlichen Angeboten – auch am Karfreitag. Die Düsseldorfer Ausnahme für „Das Leben des Brian“ zeigt, wie stark Gerichte und Behörden im Einzelfall abwägen müssen. Ob solche Einzelfalllösungen künftig häufiger werden oder den Druck auf den Gesetzgeber erhöhen, die Feiertagsgesetze grundlegend zu überarbeiten, bleibt vorerst offen.

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Standort gesichert, Angebot beschnitten: Klinik Geesthacht nach Insolvenz neu aufgestellt

03.04.2026


Das Krankenhaus Geesthacht bleibt erhalten, wird aber künftig mit deutlich veränderten Strukturen arbeiten. Das Amtsgericht Schwarzenbek hat das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung aufgehoben und damit den Weg für einen Neustart als spezialisierte Fachklinik freigemacht. „Für die Menschen in Geesthacht und der Region bedeutet diese Entscheidung vor allem eines: Das Krankenhaus bleibt“, sagte Geschäftsführer Lars Timm. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte die Entscheidung.

Der Fortbestand des Standorts ist mit einem tiefgreifenden Umbau verbunden. Die Betreiber haben das frühere Akutkrankenhaus in eine Fachklinik umgewandelt, rund 250 Mitarbeitende mussten das Haus verlassen. Bereits im März war der Regelbetrieb in mehreren Bereichen eingestellt worden, darunter Geburtshilfe und Gynäkologie, die Intensivstation, chirurgische Stationen, die Notaufnahme sowie die Kardiologie. Das vorläufige Insolvenzverfahren war im Oktober eröffnet worden.

Seit April konzentriert sich die Klinik auf Geriatrie, Innere Medizin und Psychiatrie. Der psychiatrische Bereich umfasst neben der stationären Versorgung fünf Tageskliniken sowie psychiatrische Institutsambulanzen. Damit verlagert der Standort seinen Schwerpunkt weg von einer breiten Notfall- und Akutversorgung hin zu einer stärker spezialisierten, längerfristig ausgerichteten Behandlung.

Trotz der Einschnitte bleibt die Klinik ein Ansprechpartner für bestimmte Patientengruppen in der Region. Für kleinere internistische Notfälle steht wochentags zwischen 8 und 16 Uhr eine Anlaufstelle zur Verfügung, zudem hält die Fachklinik diagnostische Angebote einschließlich Radiologie mit Röntgen und Computertomografie vor. Timm betonte, das Haus werde zwar anders arbeiten als bisher, bleibe aber ein Ort medizinischer Versorgung im stationären und ambulanten Bereich.