
Österreichs Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS stellt die Weichen für einen breiten Einsatz digitaler Technologien in der Verwaltung. Kernstück ist eine Novelle des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes (AVG), die den rechtlichen Rahmen für KI-Chatbots, vollständig automatisierte Entscheidungen in einfachen Fällen und neue digitale Services schaffen soll. Die Reform wurde im Rahmen der Reformpartnerschaft von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden ausverhandelt und ist nach Angaben der Regierung unter dem derzeitigen Tiroler Landeshauptmann-Vorsitz nun „fertig verhandelt“.
Die Novelle geht mit dem Stichtag Freitag in ein sechswöchiges Begutachtungsverfahren, bevor der Nationalrat voraussichtlich noch vor dem Sommer über das Paket abstimmen soll. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sprach bei einer Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus von einem „großen, wichtigen Schritt“ hin zu einer modernen, digitalen Verwaltung. Ziel sei eine einfachere, effizientere Behörde, die für Bürgerinnen und Bürger besser zugänglich ist und den Kontakt mit Ämtern spürbar erleichtern soll.
Konkret sollen KI-Chatbots Bürger künftig etwa bei Anträgen auf Familienbeihilfe oder bei der Arbeitnehmerveranlagung unterstützen und beim Ausfüllen von Formularen helfen. In klar gelagerten Standardfällen sind vollständig automatisierte Entscheidungen vorgesehen. Die Regierung verweist auf Vorteile wie rund um die Uhr verfügbare digitale Angebote, sprachgestützte Systeme und automatisierte Abläufe, die Verwaltungsverfahren beschleunigen und barrierefreier machen sollen. Vorgesehen sind außerdem digitale Zahlungen und sogenannte „No-Stop-Verfahren“, bei denen Verfahren automatisch eingeleitet oder durchgeführt werden können, ohne dass ein gesonderter Antrag gestellt werden muss.
Pröll betonte, Digitalisierung sei „kein Selbstzweck“, sondern Mittel zu einem klaren Ziel: ein öffentlicher Dienst, „der so funktioniert, wie die Menschen heute leben“. Wer weniger Formulare ausfüllen müsse, Anträge jederzeit stellen könne und Leistungen automatisch erhalte, erlebe Verwaltung „auch anders“. Auch Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) sieht in der AVG-Novelle ein Signal zur Stärkung des Vertrauens in staatliche Institutionen: Wer dieses Vertrauen erhöhen wolle, müsse dafür sorgen, dass der Kontakt mit Behörden „keine Zumutung“ sei. Mit der Reform soll der rechtssichere Einsatz digitaler Technologien in Ämtern verankert und die weitere Automatisierung in der Verwaltung vorangetrieben werden.

Zalando erlebt an der Börse eine markante Kurserholung, die von einer Welle positiver Analystenkommentare gestützt wird. Nachdem der Online-Modehändler seine Umsätze im Jahr 2025 gesteigert und das operative Ergebnis verbessert hat, legte die Aktie bereits am Donnerstag um 9,5 Prozent zu. Im Freitagshandel setzte sich die Rallye fort: Auf Xetra stiegen die Papiere zeitweise um bis zu 8,81 Prozent auf 23,96 Euro, zeitweise sogar auf 24,20 Euro. Damit rückt die 200-Tage-Linie als wichtiger Indikator für den langfristigen Trend bis auf gut 50 Cent heran.
Treiber der verbesserten Geschäftsentwicklung sind nach Unternehmensangaben insbesondere die Übernahme des Wettbewerbers About You sowie der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz. Zudem hat das Management ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt und den Start von Ausschüttungen an die Anteilseigner angekündigt. Bernstein-Analyst William Woods hob in einer aktuellen Studie den verbesserten Barmittelzufluss hervor und charakterisierte Zalando als „Kaufhaus, das Geld verdient“. Die Investmentbank erhöhte ihr Kursziel auf 25 Euro und strich zugleich die bisherige Einstufung „Underperform“.
Auch andere Häuser sehen die Aktie konstruktiv. Die Privatbank Berenberg bleibt bei ihrer Kaufempfehlung und bestätigt ein Kursziel von 53 Euro. Analystin Anne Critchlow verweist auf beruhigende Jahreszahlen und ein überraschend starkes bereinigtes EBIT im Schlussquartal. Besonders positiv wertet sie die angehobene Prognose für das bereinigte operative Ergebnis im laufenden Jahr 2026. Das Analysehaus Jefferies wiederum belässt Zalando ebenfalls auf „Buy“ mit einem Ziel von 31 Euro. Analyst Frederick Wild stuft die Papiere als eine der attraktivsten Wetten auf Ergebnisdynamik im europäischen Einzelhandel ein, getragen von Marktanteilsgewinnen sowie Kosten- und Synergieeffekten.
Die Neubewertung erfolgt nach einer ausgeprägten Schwächephase: Zwischen Ende Februar 2025 und Anfang März hatten sich Zalando-Aktien in rund einem Jahr mehr als halbiert und ein Tief bei 18,79 Euro markiert. Zuletzt setzte jedoch eine deutliche Gegenbewegung ein, die nun durch die freundlichere Analystenstimmung zusätzlichen Schub erhält. Während Zalando selbst den Einsatz von KI als Wachstums- und Effizienztreiber hervorhebt, betrachtet Bernstein möglichen Wettbewerbsdruck durch KI-Anwendungen in der Branche derzeit nicht als existenzbedrohend. Anleger setzen damit zunehmend auf ein nachhaltiges Comeback des Berliner Onlinehändlers – getragen von besserer Profitabilität, solidem Cashflow und einer klareren Ausschüttungspolitik.