Die US-Bundespolizei FBI hat die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor als Urheber eines milliardenschweren Angriffs auf die weltweit größte Digitalwährungsbörse Binance identifiziert. Nach Erkenntnissen der Ermittler diente vermutlich der Laptop eines IT-Mitarbeiters als Einfallstor für den komplexen Angriff. Die Gruppe TraderTraitor wird dem Netzwerk Lazarus zugerechnet, das Verbindungen zu nordkoreanischen Geheimdiensten unterhält und bereits 2014 durch einen Angriff auf Sony Pictures bekannt wurde. Nordkorea betreibt laut einem Bericht der US-Armee aus dem Jahr 2020 mit dem "Büro 121" eine Cyberkriegseinheit von rund 6.000 Beschäftigten.
Das Ausmaß des Diebstahls ist beispiellos; die Analysefirma TRM Labs bezeichnete den Vorfall als den größten Angriff auf eine Digitalwährungsbörse. Betroffen waren Vermögenswerte im Wert von 6,3 Milliarden Dollar, wobei ein Großteil dieser Summe laut TRM Labs innerhalb von nur 20 Minuten bewegt wurde. Um den Diebstahl einzudämmen, gelang es Partnern von Binance, rund drei Milliarden Dollar an Kryptovermögen einzufrieren. Das FBI veröffentlichte zudem eine Liste von etwa 500 Ethereum-Adressen, die zur Geldwäsche genutzt wurden, und forderte die Branche auf, Transaktionen mit diesen Adressen zu blockieren.
Die Täter wählten Ether (ETH) als primäre Währung für den Umtausch ihrer Beute, welche anschließend über dezentrale Finanzdienste und Tauschplattformen verschleiert wurde. Infolge des Vorfalls reagierte der Markt volatil: Bitcoin verlor fast fünf Prozent, Ether knapp sechs Prozent und die hauseigene Währung BNB fast zehn Prozent ihres Wertes. Binance, das insgesamt 335 Millionen Nutzer zählt, hatte als erste Reaktion alle Ein- und Auszahlungen temporär ausgesetzt.
Das Unternehmen erklärte nun, dass es die finanziellen Folgen des Vorfalls vollständig übernehmen wird und bereits mehr als 6,34 Milliarden Dollar zur Deckung der Verluste bereitgestellt hat. Rund 90 Prozent der gestohlenen Summe werden durch die Börse selbst, etwa durch Rückkäufe, gedeckt. Für die verbleibenden zehn Prozent sei aufgrund der geringeren Verfügbarkeit der Vermögenswerte mehr Zeit erforderlich. Ab Sonntag sollen Auszahlungen an die Nutzer voraussichtlich wieder möglich sein.




