Volkswagen hat die Entwicklungsarbeiten am vollelektrischen Golf vorerst eingestellt. Markenchef Thomas Schäfer begründete diesen Schritt in einem Intranet-Interview mit fehlenden finanziellen Mitteln und erklärte, dass sich das Unternehmen diese Arbeiten derzeit schlicht nicht leisten könne. Ziel sei es, die Entwicklung so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, womit das Modell nicht endgültig abgesagt wurde.
Der Entscheidung liegt ein erheblicher finanzieller Druck zugrunde, insbesondere im Stammwerk Wolfsburg. Laut Schäfer fehlen dort im laufenden Jahr rund 300 Millionen Euro, um die vereinbarten Kostenziele zu erreichen, während die Werke in Zwickau und Emden ihre Einsparungen im Plan halten. Der Betriebsrat sieht den Entwicklungsstopp ebenfalls als Zeichen der angespannten Lage, glaubt jedoch, dass der Zeitverlust später aufgeholt werden kann und der Marktstart nicht verschoben werden muss.
Das Projekt ist strategisch von zentraler Bedeutung, da der ID. Golf auf der neuen SSP-Architektur basieren soll. Diese Plattform soll langfristig die Kosten senken, die Elektronik modernisieren und als Basis für den elektrischen Golf sowie den elektrischen T-Roc in Wolfsburg dienen. Während die Elektro-Nachfolger das Stammwerk sichern sollen, wandert der herkömmliche Golf mit Verbrennungsmotor ab 2027 in das Werk Puebla in Mexiko aus.
Die finanzielle Belastung wird durch geringere Margen bei Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern verschärft. Zusätzliche Faktoren sind hohe Verkaufsförderungen, Wettbewerbsdruck, Restrukturierungskosten, die gestoppte ID.4-Produktion in Chattanooga sowie der geplante Verkauf des Werks Osnabrück. Im dritten Quartal verzeichnete VW Pkw einen operativen Verlust von rund 182 Millionen Euro, nachdem das erste Halbjahr noch einen Gewinn von 995 Millionen Euro ausgewiesen hatte.
Die operative Rendite der Marke VW Pkw sank in den ersten neun Monaten auf 1,3 Prozent, wobei sie ohne Sondereffekte bei 2,6 Prozent gelegen hätte. Der Elektro-Golf sollte eigentlich dazu dienen, technologisch wieder zur Spitze aufzuschließen, da das gemeinsame Volumen von Golf und T-Roc derzeit über 500.000 Fahrzeuge pro Jahr beträgt. Schäfer verglich das Sparprogramm mit einem Marathon, bei dem er sich derzeit einen "kleinen Sprint" wünschen würde.





